boat people projekt

Theaterproduktionen

Seit 2009 arbeiten wir als Freies Theater in Göttingen in verschiedenen Konstellationen schwerpunktmäßig zum Thema Flucht und Migration.

Im November 2015 haben wir neue Räumlichkeiten bezogen: ein kleines Theater mit ca. 90 Sitzplätzen ist in dem ehemaligen Institut für wissenschaftlichen Film entstanden (Nonnenstieg 72). Das Gebäude wird zur Zeit auch als Flüchtlingsunterkunft genutzt, ca. 200 Menschen sind hier untergebracht. Tür an Tür probieren und produzieren wir, proben das Zusammenleben und Zusammenarbeiten.

In den Anfängen unserer Arbeit galten wir nebst ein paar anderen Freien Theatern als speziell, weil wir uns mit Geflüchteten auseinander setzten, heute sind wir als Spezialisten gefragt. Und jetzt sind es Etliche, Freie Gruppen wie große Häuser, die das Thema beschäftigt. In der aktuellen Debatte im Feuilleton geht es um Vor- und Nachteile eines Theaters mit Geflüchteten, um reale Schutzbefohlene auf deutschen Bühnen, um die Frage nach Kunst und Partizipation.  Wir teilen die Sorge, die mehrfach geäußert wird, dass Geschichten benutzt, Menschen auch instrumentalisiert werden.

Unser Weg entsteht mit denen, die ihn mit uns gehen. Die Künstler*innen, mit denen wir arbeiten, sind insbesondere Menschen aus Kriegsgebieten, deren Ängste die Proben begleiten, so wie alle Nachrichten über Flucht-Routen und neue Grenzziehungen unentwegt alles und alle aufwühlen. Wir versuchen, Texte zu schreiben, die im Sinne der Teilnehmer*innen sind, einen Stoff zu weben, in den alle hinein wachsen können. Wie können wir zusammen kommen, was können wir teilen?

Die „Flüchtlinge“ teilen sich mit durch den Weg, den sie verkörpern. Wir, die hier Lebenden, werden zum Gegenstück zu ihnen, in ihren Augen sind wir da, wo wir hin gehören, sind fest an unserem Platz verankert. Dabei bewegt uns ja etwas mit ihnen. Ihre Flucht bewegt uns, rückt uns selbst irgendwo anders hin. Wohin rücken wir, in wessen Nähe wollen wir sein, mit wem wollen wir leben, wem teilen wir uns mit?

Wie verständlich ist unser Verhalten für Menschen aus anderen Kulturkreisen? Haben wir eigentlich klare und fixe Regeln für den Umgang untereinander? Könnte man ein „deutsches Regelwerk“ für Verhalten und Benehmen erstellen, wie es hierzulande immer häufiger getan wird? Gibt es ein „typisch deutsches Flirtverhalten“?

Kann ein Kurzfilm all diese Fragen beantworten?

Das Stück wird von Jugendlichen selbst erzählt; aber nicht anhand ihrer Geschichten, sondern anhand von Songs. Mit Hans Kaul haben wir einen Musiker im Team, der seine ganze Erfahrung aus vielen Bühnenjahren am Stadttheater und als musikalischer Leiter von Musicals in eine ganz eigene, nach außen hin kleine, Form gießt – in die musikalische Ausdrucksform von Jugendlichen. Bereits seit zwei Jahren ist er intensiv in die Erforschung u.a. eritreischer, arabischer, persischer Musik eingetaucht, und in die ebenso intensive menschliche Begleitung der Jungs, die diese Musik hören und jetzt auch selber machen. FLUTLICHT – das boat people song projekt ist ein Liederabend, der zur Zeit mit Abdiwahad Mohammed Abdi aus Somalia, mit Reshad Sultani aus Afghanistan, Boushkin Mohammed Ali aus Syrien, Goitom Kahsu und Saleh Drogba aus Eritrea, und dazu mit ungefähr fünfzehn Jugendlichen aus eben jenen Ländern sowie aus Göttingen entsteht

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Zur Zeit tourt unsere Produktion zum Thema Homosexualität im Fußball durch Fußballvereine in den Bundesländern (in diesem Frühjahr waren wir bereits zu Gast beim BVB Dortmund, demnächst geht es zum Fanprojekt Trier und zu Bayer 04 Leverkusen) und auf Festivals: Nach Festivaleinladungen zum AUGENBLICK MAL Festival in Berlin, RUHRGAMES 2015 und SZENE BUNTE WÄHNE (A) fahren wir 2016 zu den BLICKFELDERN nach Zürich und zum Festival SPLEEN nach Graz. 

Uraufführung von STEH DEINEN MANN von dem Hamburger Autoren Christopher Weiß unter der Regie von Reimar de la Chevallerie war im April 2014 in der Umkleidekabine des Jahn-Stadions in Göttingen.

STEH DEINEN MANN ist ein Monolog für einen Schauspieler mit viel Video, gespielt von Matthias Damberg und Gerd Zinck (im Video).

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Geprägt und inspiriert von den Erfahrungen mit Flüchtlingen in der Theaterarbeit hat Luise Rist ROSENWINKEL geschrieben: einen Roman über ein Mädchen geschrieben, das aus Deutschland abgeschoben wird. Frida, die beste Freundin, gerät auf der Suche nach Anita auf unbekanntes Terrain: ein road trip durch Bosnien und in die Welt der Roma beginnt. Was ist ein sicheres Herkunftsland, und für wen? Die Geschichte ist frei erfunden, aber das Mädchen, das auf dem Cover abgebildet ist, ist wirklich akut von der Abschiebung bedroht.

Der poetische und politisch hoch aktuelle Roman ist im Jugendbuchverlag cbt randomhouse erschienen, aber geschrieben ist er für alle, egal welchen Alters.



News

Die Produktion hat den Festivalpreis des Penguin's Day Festivals 2016, dem Kinder- und Jugendtheaterfestival in Moers gewonnen.

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Das boat people song projekt wird im Rahmen der Göttinger Theater Tage 2016 erneut aufgeführt.

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Eine Schüler*innengruppe und Majid aus Afghanistan haben mit uns

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